Hintergrundinformationen


Basisbildungsanforderungen im Wandel


Früher wurde Basisbildung als die Fähigkeit lesen und schreiben zu können definiert. Diese Definition hat sich geändert; heute bedeutet Basisbildung, über Kompetenzen zu verfügen, die einem Individuum die vollständige Teilhabe an der Gesellschaft ermöglichen. Basisbildung schließt nicht nur Lesen, Schreiben, Sprechen und Verstehen ein, sondern mathematische Fertigkeiten und Medienkompetenzen, v.a. unter dem Fokus der Kommunikation und der Gewinnung, Bewertung und Verarbeitung von Informationen.

Das 21. Jahrhundert ist gekennzeichnet durch den Übergang der Industriegesellschaft in eine Wissensgesellschaft. Die Anforderungen an das Qualifikationsniveau der Beschäftigten steigen nicht nur in den höher qualifizierten Berufen, sondern auch in den so genannten einfachen oder ungelernten Tätigkeiten. Diese Entwicklung ist in allen Ländern Europas zu beobachten. Aktuell und in Zukunft benötigen daher alle Menschen eine fundierte Basisbildung, damit ein Einstieg (und Verbleib) in den Arbeitsmarkt gelingt und eine Partizipation an dem Prozess des lebenslangen Lernens und an Angeboten der beruflichen Fort- und Weiterbildung möglich ist.

In wirtschaftlicher Hinsicht erzeugt unzureichende Basisbildung zusätzliche Kosten für Unternehmen und wirkt sich negativ auf ihre Fähigkeit zur Modernisierung aus. Diese Kosten sind zurückzuführen auf Arbeitsunfälle (mangelnde Lesekompetenzen) und zusätzliche Lohnkosten, um die mangelnde Qualifikation und Eignung einzelner Mitarbeiter auszugleichen, sowie auf die zusätzlich erforderliche Zeit, um Arbeitsschritte und Produktqualität zu kontrollieren. Das Fehlen qualifizierter Arbeitskräfte führt damit auch auf der Ebene einfacher Tätigkeiten zu einer geringeren Produktivität des Unternehmens. Und die eingeschränkte Beschäftigungsfähigkeit hat natürlich auch Auswirkungen auf die Arbeitnehmer selbst. Neben möglichen Arbeitsunfällen kann mangelnde Basisbildung auch zu Demotivation und Fehlzeiten führen.

Es gibt gute Gründe, warum Basisbildung das Herzstück des Programms Education for All (EFA) ist – nur sie ermöglicht einen Start in das soziale und berufliche Leben und das lebenslange Lernen; Personen mit fundierter Basisbildung können selbstständig private und berufliche Anforderungen meistern, können ihre Kinder in der Schule unterstützen, Weiterbildungsangebote wahrnehmen. Länder mit einem hohen Basisbildungsniveau sind besser vorbereitet auf die Entwicklungen und Herausforderungen der Wissensgesellschaft [1].

Basisbildungskomponenten am Arbeitsplatz

Zu arbeitsplatzbezogener Basisbildung gehört das Lesen, Schreiben, Sprechen, Zuhören und Verstehen, Rechnen, kritische Denkvermögen und Problemlösefähigkeiten, die Personen an ihrem Arbeitsplatz benötigen - mitunter auch IT-Kompetenzen - sowie die Fähigkeit zum lebenslangen Lernen.

Am Arbeitsplatz geht es nicht wie in der Schule darum, ein Buch zu lesen oder einen Aufsatz zu schreiben. Arbeitsplatzbezogene Basisbildung nimmt Bezug auf konkrete berufliche Anforderungsprofile, z.B. die Anwendung und Beachtung von Gesundheits- und Sicherheitshinweisen oder Bedienungsanleitungen, die Anfertigung von Arbeitsplänen und Übergabenotizen, die Erstellung und Verwendung von Tabellen und Diagrammen oder die Umsetzung von Arbeitsanweisungen und die Dokumentation der Arbeits(fort)schritte.
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[1] UNESCO, www.unesco.org/new/en/education/themes/education-building-blocks/literacy/